Jugendschutz und Kindeswohlgefärdung

Das JRK im Landesverband Nordrhein hat in den letzten drei Jahren ein umfassendes und nachhaltiges Schutzkonzept zum Kinder- und Jugendschutz entwickelt.

Am 01.10.2005 trat das Gesetz zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe in Kraft. In diesem Zusammenhang wurde im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) unter anderem der "Schutzauftrag" der Kinder- und Jugendhilfe bei Gefährdungen des Kindeswohls verstärkt. Insbesondere auf die "Persönliche Eignung von Fachkräften" (§72 KJHG) wird ein besonderes Augenmerk gelegt. In Paragraph 72a geht es darum, sich ein Führungszeugnis vorlegen zu lassen. Wir als Jugendverband sehen es als Verpflichtung an, die inhaltliche Intention des Schutzauftrages in geeigneter Weise aufzunehmen.

Auch wenn ein Führungszeugnis keine lückenlose und umfassende Auskunft geben kann, bei jüngeren Personen Führungszeugnisse wenig aussagekräftig erscheinen und diese auch keine Auskünfte über laufende Verfahren geben, hat der JRK-Landesausschuss im April 2007 folgende Regelung beschlossen:

Alle ehrenamtlichen Leitungskräfte und Betreuerinnen bzw. Betreuer, die auf Landesebene in der Kinder- und Jugenderholung und in der Leitung von Seminaren als Teamerinnen und Teamer sowie als Leitungskräfte im FSJ und Zivildienst tätig sind, müssen in einer Übergangszeit bis zum Ende des Jahres 2007 ein aktuelles Führungszeugnis vorlegen. Diese werden im Landesverband sicher aufbewahrt. Die Beantragung eines Führungszeugnisses ist für ehrenamtlich Aktive kostenlos.

Gute Gründe für die Führungszeugnis-Vorlage

Der JRK–Landesausschuss hat diesen Beschluss aus verschiedenen Gründen getroffen. Ein entscheidender Grund ist, dass wir uns als Jugendverband als ein mögliches Tatumfeld für sexuelle Gewalt begreifen. Wir wollen es deshalb potenziellen Tätern erschweren, sich ein Betätigungsfeld in unserem Verband zu suchen und setzen dabei nach Empfehlung auf entsprechenden Fachtagungen auf eine abschreckende Wirkung für potenzielle Täter. Mit der Geste des Führungszeugnisses sagen wir aus: Hier wird sich um den Schutz von Kindern und Jugendlichen gekümmert! Der Aufwand der unseren ehrenamtlich Tätigen in Form eines Ganges zum Bürgerbüro entsteht, steht unserer Auffassung nach in guter Relation zum Nutzen.

Zum 01.05.2010 trat zudem eine Änderung des Bundeszentralregistergesetzes in Kraft. Es gibt nun die Möglichkeit ein sogenanntes „Erweitertes Führungszeugnis“ zu beantragen. In diesem ist der Katalog der unabhängig vom Strafmaß aufzunehmenden Verurteilungen, die im Zusammenhang mit Kinder- und Jugendschutzrelevanten Verurteilungen stehen, erweitert worden. Künftig wird so beispielsweise auch eine Verurteilung zu 60 Tagessätzen wegen Verbreitung von Kinderpornographie oder Exhibitionismus erscheinen. Das war im bisherigen Führungszeugnis nicht der Fall.

Der JRK-Ehrenkodex

Unseren Anspruch an die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben wir in Form eines Ehrenkodexes festgehalten. Uns liegt das Wohl der uns Anvertrauten am Herzen und wir wissen um die Verantwortung, die wir ihnen gegenüber haben.

Die Unterzeichnung des Ehrenkodexes ist zusätzlich zum Führungszeugnis für alle Leitungskräfte, Betreuerinnen und Betreuer sowie Mitglieder von Arbeitskreisen, die auf Landesebene in der Kinder- und Jugenderholung, als Teamerinnen und Teamer des Landesverbandes sowie als Leitungskräfte im Freiwilligendienst tätig sind, vorgesehen.

Im Kreisverband Rhein-Sieg haben wir uns entschlossen sogar noch einen Schritt weiter zu gehen: Nicht nur unsere Leitungskräfte müssen ein Führungszeugnis einreichen – sogar unsere Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter haben wir verpflichtend dazu aufgefordert. Unsere Meinung: Kinder- und Jugendschutz hat in einem aktiven Jugendverband ganz oben auf der Tagesordnung zu stehen.